Startups revolutionieren City-Logistik mit Cargobikes

Urbane Logistik mit einem Musketier des Herstellers Radkutsche im Einsatz bei Velogista in BerlinFahren City-Logistik Startups wie Velogista und veloCARRIER in Zukunft den großen Zustellern mit Cargobikes davon? Oder satteln auch die Großen bald verstärkt um?

Noch sind sie vergleichsweise klein: Startups, die mit Cargobikes die Innenstadtlogistik revolutionieren wollen. Deutlich größere Aufmerksamkeit erhalten bisher Branchenriesen wie UPS oder DHL wenn sie auch nur ein einzelnes neues Cargobike vorstellen – wie zuletzt UPS in Offenbach. Doch die Geschäftsmodelle der kleinen Startups kommen deutlich in Schwung.

Velogista und veloCARRIER – zwei Startups starten durch

Im Kreuzberger Depot von Velogista.

Am 31. März hat die Berliner Velogista GmbH die Ausweitung ihrer Kooperation mit eCom Logistik verkündet, dem großen Logistikunternehmen der Pelikan AG (siehe Pressemitteilung). Seit November 2015 hat Velogista ca. 2500 Pakete für eCom Logistik in den Berliner Stadtteilen Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte mit eCargobikes zugestellt. „Der Plan ist, ab Juni das Liefergebiet in Berlin auf die Bezirke Charlottenburg und Wilmersdorf auszuweiten. Die gemeinsame Planung für weitere Städte ist in vollem Gang“, so Velogista-Chef Martin Seißler. Mittelfristig soll das gesamte Gebiet innerhalb des Berliner S-Bahnrings abgedeckt werden. Die Velogista-Flotte wird im Juni von fünf auf acht eCargobikes ausgeweitet – sieben davon sind Schwertransporter, die bis zu 250 kg Gewicht auf Europaletten aufnehmen können.

Bei Velogista wie veloCARRIER im Einsatz: Das Musketier der Firma Radkutsche.

Diese Schwertransporter sind auch bei der veloCARRIER GmbH im Einsatz. Mit lokalen Franchisepartnern bieten die Tübinger ihren Same Day-Delivery Service auch in Würzburg, Gießen und Esslingen an. Auf der webpage heißt es: „Aktuell suchen wir für unser erfolgreiches Transportunternehmen Partner in 46 deutschen Städten.“ Ende April will veloCARRIER in Stuttgart starten und verkündet ebenfalls via webpage:

„Mit unseren Cargo-E-Bikes transportieren wir im Stuttgarter Stadtgebiet Waren bis zu 250 kg Ladegewicht umweltfreundlich und stellen sie noch am gleichen Tag dem Empfänger zu. Mit 20 Jahren Erfahrung in der Logistikbranche haben wir ein pfiffiges Konzept entwickelt, wie der Waren- und Lastenverkehr in Stuttgart zukunftsfähig und verkehrsvermeidend gestaltet werden kann.“

Cargo Cruiser von Olaf Lange Dreiradbau im Hamburger Pilotprojekt von UPS.

Damit kommt veloCARRIER einem Cargobike-Modellprojekt in der City-Logistik zuvor, an dem Stadtverwaltung und IHK der Feinstaub-Metrople Stuttgart seit längerem planen. Läuft der veloCARRIER-Service in Stuttgart wie angekündigt mit mehr als zehn Schwerlast-Cargobikes an, dann stellt er auch das bundesweit als Vorzeigeprojekt geltende Pilotprojekt von UPS in Hamburg in den Schatten.

Politischer Rückenwind

Längst hat auch die Bundespolitik die Potentiale von City-Logistik mit Cargobikes entdeckt: Das Bundesverkehrsministerium hat das Thema in den neuen Aktionsplan Güterverkehr und Logistik der Bundesregierung aufgenommen und das Bundesumweltministerium willl mit dem Programm Klimaschutz im Radverkehr unter anderem „fahrradbasierte Transportdienstleistungen und Logistik“ fördern. Die neue Radstrategie Baden-Württembergs formuliert sogar erstmalig ein Ziel für den Radverkehrsanteil in der City-Logistik:

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Ein großer Freund der Cargobikes: Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann auf der EUROBIKE 2015.

„5 % der Liefervorgänge der City-Logistik in Großstädten werden bis 2020 mit Fahrrädern/Lastenrädern abgewickelt.“

Wie hoch dieser Anteil bisher ist und welche Transporte darunter fallen sollen bleibt jedoch unklar. Auch die European Cyclelogistics Federation (ECLF) stellt im Vorwort einer aktuellen europaweiten Umfrage fest:

„We know very little about the scope and scale of cycle logistics in terms of number of operators, types of services provided, size of cycle fleet operated, common problems experienced with the fleet, financial information on turnover, costs and prices, or services provided to the traditional logistics industry and rates achieved.“

ECLF-Konferenz 2014 in Nijmegen.

Die Umfrage unter Unternehmen soll nun mehr Klarheit schaffen. Erste Ergebnisse werden auf einer Fachkonferenz am 16. April beim International Cargo Bike Festival in Nijmegen (NL) vorgestellt. Bisher trafen sich dort eher die kleinen Cargobike-Hersteller, Kurierunternehmen und Startups. 2015 präsentierte erstmalig auch DHL Express ein neues Cargobike mit Wechselcontainer. Keynote Speaker in Nijmegen ist dieses Jahr Michael Cramer, der Vorsitzende des Verkehrsausschuss im Europaparlament. Man darf gespannt sein, wer sich sonst noch in Nijmegen blicken lässt.

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