Cargobike ABC

Wieso Cargobikes? Und was genau ist überhaupt ein Cargobike? Was können sie und wie viele gibt es?

Wieso Cargobikes

Cargobikes verbinden Fahrspaß & Freiheit mit intelligenter & emissionsfreier Mobilität. In Zeiten von Dauerstau, Dieselfahrverboten und Klimawandel ersetzen leistungsstarke Cargobikes mit und ohne E-Antrieb zunehmend Autos und Vans.

Cargobikes sind das Yes We Can des Radverkehrs und ein auffälliges Symbol der Verkehrswende!

Begriff und Definition

Cargobike klingt flott und nach Spaß. Ein Lastenrad ist zwar genau dasselbe, klingt aber beschwerlicher.

cargobike.jetzt nutzt deswegen den Begriff Cargobike gleichbedeutend mit Lastenrad, Transportrad, Nutzrad, Lastenvelo und anderen Begriffen. Kommt ein E-Antrieb hinzu (Pedelec 25 oder 45), wird es auf cargobike.jetzt zum eCargobike – gleichbedeutend mit Lastenpedelec, E-Lastenrad oder Cargo E-Bike.

Wo fängt ein Cargobike an, wo hört es auf?

Es gibt keine rechtlich verbindliche Definition von Cargobikes. cargobike.jetzt unterscheidet zwischen einem engeren und einem weiteren Verständnis von Cargobikes:

  • Für ein engeres Verständnis von Cargobikes sind Transportzweck UND spezielle Form des Rades wichtig. Cargobikes sind demnach Fahrräder die speziell für Transporte konstruiert sind und deren Rahmenform dafür vom klassischen Fahrrad deutlich abweicht. Klassische Bauformen sind zweirädrige Bäckerräder, LongJohns und Longtails sowie dreirädrige Front- und Hecklader.
  • Für ein breiteres Verständnis von Cargobikes zählt ALLEIN der Transportzweck des Rades. Damit können auch klassische Fahrräder mit besonders großen und stabilen Gepäckträgern sowie Gespanne aus klassischem Fahrrad und Anhänger als Cargobikes bezeichnet werden.

cargobike.jetzt orientiert sich am engeren Verständnis von Cargobikes, um das eigene Arbeitsfeld – auch aus Kapazitätsgründen – besser eingrenzen zu können. Das soll jedoch ein breitere Verständnis von Cargobikes nicht in Frage stellen. Denn je größer die Auswahl an Transportmöglichkeiten auf Fahrrädern und Fahrradanhängern, desto besser für die Verkehrswende!

Zu unterscheiden sind Cargobikes von anderen Spezialrädern wie Velomobilen, Liegerädern und Reharädern – auch wenn es immer Überschneidungen gibt sobald eines dieser Räder einen Transportzweck erfüllt.

Private Nutzung

Spätestens mit dem zweiten Kind muss ein Auto her? In Kopenhagen haben 25 Prozent aller Familien mit zwei oder mehr Kindern ein Cargobike.

Auch hierzulande ist der sichere und komfortable Transport von Kindern der wichtigste – aber nicht einzige – Grund für ein privates Cargobike. Beim Einkauf, in der Freizeit und wo auch immer es im Alltag etwas zu transportieren ist das Cargobike zur Stelle – in immer komfortableren und unterschiedlichen Varianten. Und immer öfter mit E-Antrieb.

Doch nicht alle brauchen ein eigenes Cargobike. In immer mehr Städten gibt es inzwischen auch Cargobike Sharing-Angebote.

cargobike.jetzt unterwegs

Schnappschüsse aus Freizeit und Beruf.

Hier: Im Urlaub auf Bornholm, August 2017.

Supporter

cargobike.jetzt unterwegs

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Hier: Im Urlaub auf Bornholm, August 2017.

Supporter

Gewerbliche Nutzung

Der Auto-Kollaps und Dieselfahrverbote führen zu einer breiten Renaissance von Cargobikes im Wirtschaftsverkehr.

Neue leistungsstarke Modelle mit E-Antrieb und einer großen Variante an Aufbauten ermöglichen vielfältige gewerbliche Einsätze vom Lieferdienst über das Handwerk bis zur Paketzustellung.

City-Logistik

2018 beim Start des Modellprojekts Komodo in Berlin. Bild: Ralf Rühmeier

Die regelmäßige Feinverteilung von großen Mengen an Waren und Paketen führt zu starken Belastungen durch motorisierte Lieferfahrzeuge.  Der boomende Online-Handel verschärft die Probleme. 

Intelligente City-Logistik setzt zunehmend auf die Kombination von Cargobikes und Mikrodepots. So können besonders große Cargobikes vielerorts klassische Lieferfahrzeuge erfolgreich ersetzen. Die großen Paketzusteller haben bereits Modellprojekte am Laufen und im Radlogistik Verband Deutschland (RLVD) sind kleinere Unternehmen zusammengeschlossen, die sich auf City-Logistik mit Cargobikes spezialisiert haben.

Potentialstudien

Wie viele private und gewerbliche Transporte mit Autos oder Vans können durch Cargobikes ersetzt werden? Eine ganze Menge! Aber im Einzelfall hängt es immer von einer Reihe von Faktoren ab.

Manche Familien – vor allem in Großstädten – brauchen dank Cargobike gar kein eigenes Auto. Und in der Hamburger Innenstadt hat UPS fast sämtliche Vans durch die Kombination von Mikrodepots und Cargobikes ersetzt.

Laut Studie des Cycle Logistics Projekts können mit Hilfe von Cargobikes und Lastenanhängern 51 Prozent aller motorisierten Transporte in europäischen Städten auf Fahrräder verlagert werden. Das sind Transporte bis 5 km Länge und 200 kg bzw. 1 m³ Zuladung. 69 Prozent davon sind private und 31 Prozent gewerbliche Fahrten. Private Einkaufsfahrten machen allein 40 Prozent aller verlagerbaren Fahrten aus. Die EU-Verkehrsminister haben 2015 in einer gemeinsamen Erklärung bekräftigt: “more than half of all motorized cargo trips in EU cities could be shifted to bicycles”.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat im Auftrag des Bundesverkehrsministerium die Potentiale von Cargobikes speziell im Wirtschaftsverkehr untersucht. 2016 erschien die umfangreiche Studie, die hier auf cargobike.jetzt besprochen ist.

Marktgröße

Der Markt für Cargobikes wächst schnell. Laut Marktdaten des Zweirad-Industrie-Verband wurden in Deutschland 2018 rund 40.000 eCargobikes verkauft. Das bedeutet ein Wachstum von über 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Doch eine genaue Bestimmung der Marktgröße in Deutschland (und in anderen Ländern ) ist nicht einfach. Hier finden Sie die Herausforderungen bei der Bestimmung der Marktgröße und relevante Studien und Marktdaten.

Herausforderungen
  • Cargobikes mit und ohne E-Antrieb (Pedelec 25) sind Fahrräder. Sie müssen anders als Kraftfahrzeuge nicht zugelassen und versichert werden. Es gibt entsprechend keine zentrale Erfassungsmöglichkeit.
  • Die jährlichen Marktdaten des Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) sind die wichtigsten Daten zur Größe und Entwicklung des deutschen Fahrradmarktes. Die Marktdaten beruhen auf Angaben der ZIV-Mitgliedsunternehmen und qualifizierten Schätzungen. Der Cargobike-Markt ist jedoch durch eine Vielzahl oft kleinerer Hersteller und Importeure geprägt, die in vielen Fällen bisher nicht Mitglied im ZIV sind.
  • Es gibt keine allgemeinverbindliche Definition für Cargobikes. Manche Fahrradhersteller bezeichnen bereits klassische Fahrradmodelle mit stabilerem Gepäckträger als Cargobike. Eine engere (von cargobike.jetzt bevorzugte) Definition von Cargobikes würde eine dem Transportzweck geschuldete und vom klassischen Fahrrad erkennbar abweichende Rahmenkonstruktion verlangen.
Jährliche ZIV Marktdaten

Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) schlüsselte in seinen Marktdaten für das Jahr 2016 erstmals die Anzahl verkaufter E-Bikes nach Modellgruppen auf. Seitdem stieg der Anteil der eCargobikes an allen verkauften E-Bikes (Pedelec 25 und 45) von 2,5 Prozent im Jahr 2016 auf 4 Prozent im Jahr 2018. Bei 980.000 im Jahr 2018 verkauften E-Bikes (+36 Prozent) bedeutet das 39.200 verkaufte eCargobikes (+81,4 Prozent gegenüber 2017). Damit wurden 2018 in Deutschland erneut mehr eCargobikes verkauft als E-Autos zugelassen. Den 39.200 verkauften eCargobikes stehen nur 36.062 neu zugelassene E-Autos entgegen.

Der Anteil aller Cargobikes (auch der ohne E-Antrieb) an der Gesamtzahl aller 2018 verkauften 4,18 Millionen Fahrräder wird in den ZIV Marktdaten bisher nicht separat aufgeschlüsselt. Die Kategorie „Sonstige“ mit Cargobikes, Liegerädern und Tandems wird 2018 mit 2,5 Prozent angegeben.

Mehr dazu in den ZIV-Marktdaten für 2016, 2017 und 2018.

 

Fahrradmonitor 2017

Im Rahmen des alle zwei Jahre im Auftrag des Bundesverkehrsministerium erstellten Fahrradmonitors fand die erste repräsentative Befragung zur Cargobike-Nutzung in Deutschland statt. 39 Prozent aller vom Sinus Institut für den Fahrradmonitor Befragten gaben an, Cargobikes zu kennen. 19 Prozent davon (entspricht sieben Prozent aller Befragten) können sich vorstellen, ein Cargobike zu kaufen. 40 Prozent (entspricht 16 Protent aller Befragten) können sich vorstellen, ein Cargobike-Leihsystem zu nutzen. Erst ein Prozent der befragten Radfahrenden nutzt bereits ein Cargobike.

Mehr zu den Ergebnissen des Fahrradmonitor 2017

DLR-Studie 2016

Eine vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie des Institut für Verkehrswissenschaft des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) schätzt den Bestand an gewerblichen genutzten Cargobikes in Deutschland auf 52.000 – darunter 30.000 Posträder.

Mehr zur Studie

Politische Förderung

Dorothee Bär (CSU) als Beauftragte der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik 2016 im Bundesverkehrsministerium

Klimaschutz und Luftqualität erfordern dringend effektive verkehrspolitische Maßnahmen. Statt jedoch mit höheren Spritpreisen und Fahrverboten den Kfz-Verkehr zu reduzieren fördert die Politik lieber Alternativen. Dazu gehören auch Cargobikes.

Zahlreiche Kommunen und einige Bundesländer in Deutschland und Österreich haben Kaufprämien für Cargobikes eingeführt. Oft ist jedoch die Förderung der Elektromobilität noch allein auf Autos und Vans ausgerichtet – allen voran bei der Kaufprämie für private E-Autos in Deutschland. Die E-Mobilitätsoffensive in Österreich bietet dagegen eine Kaufprämie auch für Cargobikes mit und ohne E-Antrieb.

Cargobike Sharing und City-Logistik mit Cargobikes sind weitere Bereiche, in denen Bund, Länder und Kommunen durch Pilotprojekte Impulse setzen. Die wichtigsten politischen Impulse zur Verbreitung von Cargobikes kommen jedoch aus einer stetig wachsende Community von Nutzern, Händlern, Herstellern und Aktivisten. Sie fahren mit Leidenschaft Cargobike, organisieren lokale Cargobike-Festivals und Freie Lastenräder, engagieren sich in Verbänden wie dem ADFC, dem VCD oder dem neuen Radlogistik Verband Deutschland. Diese leidenschaftliche und streitbare Community macht das Cargobike zum Symbol einer Verkehrswende von unten.