E-Mobilitätsoffensive in Österreich: 400 € Kaufprämie für Cargobikes

Cargobiker Alec Hager: Lange bei der Radlobby Österreich, jetzt Geschäftsführer der Radvokaten. Bild: cargobike.jetzt

Ab dem 1. März 2019 weitet Österreich die Förderung der Elektromobilität aus. Für alle Cargobikes gibt es dann landesweit 400 Euro Kaufprämie.

Zuvor förderte die Bundesregierung in Österreich nur gewerbliche Cargobikes mit und ohne E-Antrieb – allerdings mit pauschal 500 Euro. Ab 1. März 2019 wird die Kaufprämie nun auf private Cargobikes ausgeweitet und gilt bis Ende 2020. Ob privat oder gewerblich, ob mit oder ohne E-Antrieb: für alle Cargobikes mit einer Mindestzuladung ab 80 Kilogramm kann in Österreich dann eine Kaufprämie von 400 Euro in Anspruch genommen werden.

In einer gemeinsamen Bekanntmachung der „E-Mobilitätsoffensive“ stellen die zuständigen Bundesministerien die Fördersätze für die verschiedenen Fahrzeugtypen und Ladestionen vor – aufgeteilt nach „Privatpersonen“ und „Betriebe, Gebietskörperschaften, Vereine“. Für Cargobikes gilt in beiden Fällen:

Die Aufteilung der Kaufprämie jeweils zur Hälfte auf einen staatlichen Zuschuss und einen Rabatt des Handels betrifft auch andere geförderte Fahrzeugtypen. Ebenso die Bindung der Kaufprämie an den Bezug von Ökostrom und die Begrenzung auf maximal 30 Prozent des Kaufpreises.

Außer den Cargobikes erhalten auch „normale“ Pedelecs in gewerblichen Flotten ab 10 Fahrrädern eine Kaufprämie von 200 Euro. Private Pedelecs und leider auch Lastenanhänger mit und ohne E-Antrieb erhalten in Österreich vom Bund auch weiterhin keine Kaufprämie.

Die Krux mit der Mindestzuladung

Eine kontraproduktive Förderbedingung bei den Cargobikes ist die Mindestzuladung. Diese ist mit 80 Kilogramm vergleichsweise hoch. Zudem ist Zuladung eine wenig präzise Kategorie. Denn die Zuladung eines Cargobike-Modells ist immer abhängig vom jeweiligen Fahrer*innengewicht und der jeweiligen Ausstattung. So könnten einzelne Cargobike-Modelle mit leichter Fahrerin oder ohne E-Antrieb förderfähig sein. Dasselbe Modell mit E-Antrieb oder schwerem Fahrer könnte aber offiziell unter 80 Kilogramm erlaubter Zuladung liegen und damit nicht förderfähig sein, obwohl die offiziell zulässige Zuladung trotzdem locker für zwei kleine Kinder und einen Einkauf ausreicht. Die Förderrichtlinie Elektromobilität in München verlangt bei eCargobikes zum Beispiel eine Mindestzuladung von 40 Kilogramm, bei der temporären Cargobike-Kaufprämie 2017 in Wien lag sie bei 50 Kilogramm. Hoffentlich wird bei der Mindestzuladung der landesweiten Kaufprämie bis zum Förderbeginn noch nachgesteuert.

Ab dem 1. März 2019 kann die Kaufprämie in Österreich unter www.umweltfoerderung.at übrigens auch für sechs Monate rückwirkend und für Leasing beantragt werden. Im Wortlaut:

Bitte beachten Sie, dass die Rechnung zum Zeitpunkt der Einreichung nicht älter als 6 Monate sein darf [und] dass ausschließlich Rechnungen bzw. Leasingverträge anerkannt werden können, welche den E-Mobilitätsbonusanteil sowie die zugehörige Erklärung enthalten. Bei leasingfinanzierten Fahrzeugen ist je nach Fahrzeugkategorie weiters eine Depotzahlung […] erforderlich.

Österreich setzt Maßstäbe

Mit der „E-Mobilitätsoffensive“ setzt Österreich einen neuen Standard bei der Förderung von Elektromobilität und Cargobikes in Europa. Denn erstmalig erhalten landesweit private und gewerbliche Cargobikes mit und ohne E-Antrieb eine Kaufprämie. Und das für einen Zeitraum von 28 Monaten (inklusive der sechs Monate rückwirkender Fördermöglichkeit).

Allerdings: Ein ressourcen- und platzeffenzientes Cargobike erhält mit 400 Euro eine vergleichsweise geringe Kaufprämie des Bundes. In Linz und Graz gibt es bereits kommunale Cargobike-Kaufprämien von bis zu 1000 Euro. Zudem gibt es für die Zusatzkosten von 1000 bis 2500 Euro bei Modellen mit E-Antrieb keine höhere Förderung. Ein ressourcenintensives E-Auto erhält dagegen 3000 Euro Kaufprämie, trägt aber genauso wie seine Verbrenner-Kollegen zum Verkehrskollaps in Städten bei.

Kampagne #EfürAlle des Blogger-Kollegen Daniel Doerk von „It started with a fight“

Vorbild für Deutschland?

Im Autoland Deutschland erhalten Privatleute jedoch nur für E-Autos eine Kaufprämie vom Bund. Und eine landesweite Cargobike-Kaufprämie ist auf gewerbliche Schwerlasträder und Gespanne mit sehr großem Transportvolumen begrenzt. Die von cargobike.jetzt und dem Fahrradblog It started with a fight befragten Parteien äußerten sich vor der letzten Bundestagswahl unterschiedlich zur Ausweitung der Kaufprämie für E-Autos auch auf Pedelecs und eCargobikes.

Ob die österreichische „E-Mobilitätsoffenive“ neuen Schwung in die Debatte über eine bundesweite Cargobike-Kaufprämie in Deutschland bringt? Wie anfangs auch in Österreich sind es hierzulande Kommunen und Bundesländer, die gerade reihenweise Cargobike-Kaufprämien einführen. Einen aktuellen Überblick gibt meine Seite Cargobike-Kaufprämien in Deutschland und Österreich.

Nicht vergessen: Cargobike Sharing!

Eine wichtige Ergänzung von Cargobike-Kaufprämien sind übrigens Cargobike Sharing-Angebote. Von diesen profitiert auch, wer nur gelegentlich ein Cargobike braucht oder sich trotz Kaufprämie keins leisten kann oder will.

Beim Cargobike Sharing hat Österreich mit der SeestadtFlotte, den Gräzlrädern und dem Lastenradkollektiv in Wien sowie den Freien Lastenrädern in Innsbruck, Graz und der Wiener Neustadt wichtige Ansatzpunkte. Aber hier würde mit staatlicher Förderung noch deutlich mehr gehen!

Stationsbasiertes Cargobike Sharing in der Seestadt Aspern in Wien. Foto: cargobike.jetzt

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