Wie läuft’s bei Urban Arrow und Douze Cycles?

Absatzmärkte, Kaufprämien und E-Antrieb bei Cargobikes aus Sicht eines französischen und eines niederländischen Herstellers. Ein Gespräch mit Michèle Kottelat (Douze Cycles) und Henning Thomas (Urban Arrow).

 

cargobike.jetzt: Was sind eigentlich die wichtigsten Märkte für Douze Cycles und Urban Arrow? Und welche Bedeutung hat speziell der deutschsprachige Markt?

VELOFrankfurt 2016: Urban Arrow vs Urban Arrow mit Jorrit Kreek und Henning Thomas.

Henning Thomas: Die internationale Nachfrage ist unglaublich zur Zeit. Wir verkaufen unsere Urban Arrows mittlerweile weltweit in fast 20 Ländern. Die meisten Räder verkaufen wir zwar weiterhin zu Hause in den Niederlanden, aber Deutschland, Belgien und Frankreich sind bei uns stark im Kommen. Mit dem internationalen Wachstum steigen natürlich auch die Herausforderungen: In Deutschland braucht es oft mehr als eine erfolgreiche Probefahrt, um Kunden von unserem Produkt zu überzeugen. Hier spielen Testberichte, Betriebsanleitung und Prüfsiegel wie die CE-Kennzeichnung eine wichtigere Rolle als in anderen Ländern. Und in der Schweiz haben wir mit dem Zoll und den Schweizer Franken zu tun. Bei meinem letzten Besuch des Züricher Urban Bike Festival brauchte es an der Grenze zwei Stunden Geduld und 1.000,- Franken Einfuhrzoll bis ich mit drei Vorführmodellen einreisen konnte.

DOUZE-Team bei der Berliner Fahrradschau 2017 mit Michèle Kottelat

Michèle Kottelat: Auch unser DOUZE ist inzwischen auf der ganzen Welt unterwegs – von Australien und Neuseeland über Asien bis nach Nordamerika. Auf Facebook gibt es die DOUZE Cycles Global Owners. Wichtigster Ansatzmarkt ist und bleibt Europa mit Deutschland an erster Stelle – gefolgt von Frankreich, Belgien, Schweiz und Österreich. Auf dem deutschsprachigen Markt ist im Moment viel los und die Kundschaft ist besonders anspruchsvoll. Mit unserem Fokus auf Design und Qualität sind wir hier sehr gut positioniert und haben kürzlich mit dem Premium DOUZE mit PINION-Getriebe und Go SwissDrive-Motor nochmal nachgelegt.

cargobike.jetzt: München, Wien und Oslo haben kürzlich Kaufprämien für Cargobikes bzw. eCargobikes eingeführt. Rennen Händler und Kunden Euch dort jetzt die Hütte ein?

Henning Thomas: Ja das kann ich bestätigen. In den drei genannten Städten haben unsere Händler allein im ersten Quartal fast schon so viele Räder bestellt wie im ganzen vergangen Jahr! Die Schwelle für den Endverbraucher ist mit der Förderung ein ganzes Stück niedriger geworden.

Douze mit Pinion Getriebe und Go Swiss Drive-Motor bei der Cargobike Roadshow 2017 in Mannheim.

Michèle Kottelat: Die Kaufprämien sind natürlich sehr hilfreich für uns in in Wien und München, wo wir Händler haben. Interessanterweise verkaufen sich in München aber auch Modelle ohne E-Antrieb sehr gut, obwohl dort die Kaufprämie – anders als in Wien – nur für eCargobikes gilt. Wir sind sehr zufrieden mit den Verkäufen im ersten Quartal, es brummt.

cargobike.jetzt: Welche Rolle spielt für Euch der E-Antrieb bei der weiteren Verbreitung von Cargobikes?

Michèle Kottelat: Der E-Antrieb gewinnt zweifelsfrei an Bedeutung. Trotzdem verkaufen wir immer noch etliche DOUZE ohne Motor. Unsere Cargobikes sind leicht und dank der Seilzuglenkung sehr wendig. Ein großer Teil unserer Kundschaft ist sportlich und versteht das DOUZE auch als Sportrad. Der Weg in die Kita darf und soll auch etwas Kraft kosten. Für diese Zielgruppe kommt ein Pedelec oft nicht in Frage. Lieber investieren diese Kunden zum Beispiel in eine hochwertige Getriebeschaltung. Ich gehe dennoch davon aus, dass wir in Zukunft wahrscheinlich immer mehr Modelle mit als ohne E-Antrieb verkaufen werden.

Sebastian, Katharina und Marjolein aus Aachen mit ihrem Urban Arrow. Tachostand nach 14 Monaten: 10 000 km.

Henning Thomas: Wir haben uns letztes Jahr entschieden unsere Urban Arrows nur noch mit e-Antrieb zu vertreiben. Bis dato verkauften wir ca. 3% aller Urban Arrows ohne e-Antrieb und mussten davon innerhalb kurzer Zeit fast alle mit E-Motor nachrüsten. Unsere Cargobikes haben ein zulässiges Gesamtgewicht von 275 kg und das wird sehr oft auch ausgenutzt. Da macht der E-Antrieb natürlich besonderen Sinn und unsere Kunden fahren damit oft deutlich mehr Kilometer als zuvor gedacht – egal ob zur Kita, zum Einkaufen oder zur Arbeit. Es macht einfach so viel mehr Spaß als im Auto. Der E-Antrieb ist also ganz entscheidend für das Urban Arrow als Lebensqualitätsverbesserer.

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Michèle Kottelat (64) lebt in Zug in der Schweiz. Gesellschafterin der Firma DOUZE Factory und mit ihrer eigenen Firma Bike-Innovation GmbH Grossistin in der Schweiz. Sie unterstützt das DOUZE-Team beim Vertrieb im deutschsprachigen Raum. Email: michele@douze-cycles.com

 

Henning Thomas (46) lebt in Amersfoort in den Niederlanden. Urban Arrow Fan der ersten Stunde als Nutzer und als Verkäufer im eigenen Fahrradladen. Inzwischen verantworlich für den internationalen Vertrieb außerhalb Benelux. Email: henning@urbanarrow.com