Carlos von Wiesbadens Kultkneipe Roczek’s.

Auf einmal poppen in Wiesbaden Radwege auf und auch die Cargobike-Revolution ist in meiner Geburtsstadt angekommen.

Die Bilder dieser Fotoreportage entstanden im Juli während eines Urlaubs am idyllischen Schiersteiner Hafen. An der Hafenpromenade parkt dauerhaft dieses Cargobike …

… mit dem ein älterer Herr ab und zu seine Enkeln transportiert.

Einen großen und intensiv genutzten Cargobike-Fuhrpark gibt es im Schiersteiner Postdepot an der Saarstraße:

In den Randgebieten von Wiesbaden wird die Post meist per Cargobike zugestellt. In der Innenstadt eher per Handwagen.

Dass Cargobikes im Wirtschaftsverkehr nichts Neues sind gibt es im Wiesbadener Stadtmuseum am Dernschen Gelände zu sehen:

Dieses Botenrad der ehemaligen „Volkskurstadt Wiesbaden“ wurde nach dem 2. Weltkrieg umlackiert in „Landeshauptstadt Wiesbaden“, dann ausrangiert, Jahrzehnte lang im Kurhaus eingelagert und 2012 in die Museumssammlung aufgenommen.

Heute fördert die Landeshauptstadt emissionsfreie Lieferlogistik von privaten Kurier- und Paketdiensten mit der Lieferplattform EMILIE. Die Plattform kann von allen Einzelhändlern in Wiesbaden kostenfrei genutzt werden. Bisher beteiligen sich zwei Kurierunternehmen an der Auslieferung per Cargobike. Einer davon ist Kiezkurier Phaedon Pavlidis, der mir gleich am ersten Tag in der Wiesbadener City über den Weg fuhr:

Phaedon fuhr zuvor für das derzeit pausierende Kiezkaufhaus. Auch auf den Plakaten für’s Wiesbadener Stadtradeln (Wiesradeln) dürfen Phaedon und sein Cargobike nicht fehlen:

Im Straßenbild fällt vor allem die Zunahme privater Cargobikes auf. Wie hier am Rande der Fußgängerzone am Dernschen Gelände …

…. und hier vor einem Wohnhaus im Westend:

Ebenfalls auffällig im bergigen Wiesbaden: die starke Präsenz hochwertiger eCargobikes von Riese & Müller. Das liegt auch an der starken Stellung des südhesssichen Herstellers im lokalen Fahrradhandel. Zum Beispiel bei AllMountains in der Dostojewskistraße …

… und bei der neuen Filiale von e-motion in Walluf jenseits der Wiesbadener Stadtgrenze:

Dort gibt es auch Cargobikes von Babboe und Urban Arrow vor Wiesbadener Rathaus-Kulisse:

Beide Hersteller gibt es auch in der brandneuen Wiesbadener Filiale von Lucky Bike in der Mainzer Straße:

Klassiker: Mit Kids im Cargobike zum Freibad. Gesehen vor dem Kalle-Bad:

Das Projekt Gemeinsam gegen einsam versorgte in Frankfurt während des Corona Lockdowns u.a. Obdachlose per Cargobike. Dieses Rad hat es bis nach Wiesbaden zum Herrensalon geschafft:

Am Wochenende ist Hochbetrieb auf dem Radweg am Rheinufer Richtung Rheingau. Darunter auch Cargobiker mit Hund oder …

… stolzen Kindern.

Diese Familie hat für ihr Libelle Cargobike die Kaufprämie der Stadt Wiesbaden erhalten. 2021 soll es eine neue Förderrunde geben. Aktuell kann eine neue Kaufprämie des Landes Hessen beantragt werden.

Auch auf rheinland-pfälzischer Rhein-Seite gibt es Cargobike-Ausflügler:

Und auf rheinland-pfälzischer Seite gibt es in Mainz das größte Cargobike-Spezialgeschäft in der Region. Nämlich …

die Radgeber. Deren neue Filiale „Cargo & Spezial“ musste erst kürzlich in größere Räume auf der anderen Straßenseite umziehen. Der auf dem Foto zu sehende alte Laden wird als Lagerfläche für die vielen bestellten Cargobikes gebraucht.

Doch zurück nach Wiesbaden. Der Radweg von der Innenstadt über die Saarstraße nach Schierstein wurde an anderen Streckenabschnitten gerade erheblich verbessert.

An dieser Stelle bleibt er jedoch wohl ein Ärgernis für Radfahrende und Fußgänger*innen, die hier in beiden Richtungen auf engem Raum gemeinsam unterwegs sein müssen während die Autos mehrspurig vorbeidonnern.

Die neue Radspur auf dem 1. Ring ist dagegen top!

Sie wurde während des Corona-Lockdowns eingerichtet.

Dieser Cargobiker ist eine Wiesbadener Ikone: Carlos betreibt seit Jahrzehnten das Roczek’s, die Kultkneipe am 1. Ring mit eigener Spirituosen- und Likörherstellung.

Getroffen habe ich Carlos bei e-motion in Walluf (siehe oben) als er gerade sein frisch gekauftes eCargobike in Empfang nahm. Und ich bin tatsächlich ein wenig stolz, dass ich ihn auf seiner allerersten Fahrt begleiten konnte – zum Getränkemarkt Schluckspecht in Schierstein.

Auf die Cargobike-Idee kam Carlos als durch die neue Radspur auf dem 1. Ring (siehe oben) Autoparkplätze am Roczek’s wegfielen. Die Cargobike-Kaufprämie der Stadt war ein zusätzlicher Anreiz. Jetzt will er auf sein langes Packster 80 von Riese & Müller noch eine abschließbare Box montieren und es dann für kleinere Getränketransporte nutzen. Das haben wir am Schluckspecht schon mal in Szene gesetzt:

Das folgende Foto war Carlos aber noch viel wichtiger:

Am 1. November findet in Wiesbaden ein Volksentscheid über eine CityBahn-Verbindung von Mainz durch Wiesbaden bis Bad Schwalbach im Taunus statt. Die Straßenbahn wurde in Wiesbaden 1955 stillgelegt, die Aartalbahn in den Taunus 1983. Mehrere Reaktivierungsanläufe scheiterten an verkehrspolitischer Borniertheit relevanter Wiesbadener Interessensgruppen. Auch jetzt gibt es wieder starke Gegenkräfte. Carlos unterstützt die Bürger pro CityBahn. Sowohl am Schluckspecht als auch am Roczek’s hängt ein Transparent der Bürgerinitiative. Viele Transparente gegen die CityBahn hängen z.B. vor den Villen mit Anwaltskanzleien auf der Biebricher Allee:

Wer in Wiesbaden stimmberechtigt ist oder Stimmberechtigte kennt: Helft mit, dass die Wiesbadener*innen am 1. November eine informierte Entscheidung pro Verkehrswende treffen!

Bürger pro CityBahn unterstützen

Dort wo bis 1983 die Aartalbahn im Wiesbadener Hauptbahnhof hielt gibt es heute übrigens einen rosa Teppich für Cargobikes. Wiesbadens erste Cargobike-Parkplätze haben einen in den Boden eingelassenen Ring zum Anschließen und leiden leider etwas unter Taubenschiss von oben.

Die Cargobike-Parkplätze stehen einer zukünftigen CityBahn übrigens nicht im Weg. Die CityBahn soll als Straßenbahn vor dem Bahnhof entlangfahren.

Die Cargobike-Neugier führte mich schließlich auch auf eine Sightseeing-Tour nach Wiesbaden-Kohlheck. Hier gibt es richtig steile Straßen und eine Neubausiedlung der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte nahe am Waldrand. Gleich am Siedlungseingang steht ein privates Cargobike:

Im Juni hat Oberbürgermeister Mende (SPD) 100 Meter weiter das erste Cargobike Sharing-Angebot Wiesbadens eingeweiht. Zwei eCargobikes des Anbieters Sigo stehen seitdem in der Einfahrt zu einer Auto-Tiefgarage …

… und können per App ausgeliehen werden. Die Ausleihe mit meinem Smartphone war nicht ganz reibungslos. Aber die Hotline konnte schnell helfen.

Ein Testbericht auf cargobike.jetzt folgt.

Wenn hier schon Wiesbadens Oberbürgermeister erwähnt wird darf der eigentliche Treiber der Verkehrswende in der Wiesbadener Politik nicht unerwähnt bleiben: Der grüne Verkehrsdezernent Andreas Kowol ist selber Cargobiker und verantwortet unter anderem das Projekt EMILIE (siehe oben) und die 2019 gestartete Cargobike-Kaufprämie inklusive begleitender Cargobike-Ausstellung im Luisenforum. Von der Ausstellung ist noch die Rückwand zu sehen:

Kowol kann sich in seiner Behörde auf Mitarbeiter*innen mit Cargobike-Erfahrung stützen. Drei davon waren 2016 mit der grünen Stadtratsfraktion Gastgeber der ersten Station der allerersten Cargobike Roadshow. Hier ein Foto aus der Roadshow-Dokumentation von 2016 mit Carola Pahl und Claus-Peter Große (inzwischen zuständig sind für das Projekt DIGI-L: Nachhaltige Stadtlogistik) und Daniel Sidiani (jetzt Leiter der neuen Stabsstelle Mobilitätskonzepte):

Am Freitag, den 17. Juli war Critical Mass in Wiesbaden. Natürlich fuhren auch ein paar Cargobikes mit. Darunter ein dreiköpfiges Team von Fahrrad Claus, das standesgemäß 25 Kilometer per eCargobike aus Trebur angereist. Hat Spaß gemacht mit Euch!

Ein Freies Lastenrad für Wiesbaden!

Zu guter Letzt: Der ADFC Wiesbaden/Rheingau Taunus plant ein Freies Lastenrad für Wiesbaden. Noch bis zum 26. August könnt ihr das Projekt „LILJA – Freies Lastenrad für Wiesbaden“ durch Teilnahme am Online-Voting der SpardaBank Hessen unterstützen:

Abstimmen für das Freie Lastenrad Wiesbaden