„Freie Lastenräder“ in Berlin gestartet: Cargobikes für alle!

Ob das wohl passt? Die denn's Marketingleiterin testet Ladevolumen der Freien LastenradlerSie verbreiten sich bundesweit wie ein Lauffeuer: Freie Lastenräder, die per online-Buchung tageweise umsonst ausgeliehen werden können. Jetzt auch in Berlin.

Die Freien Lastenradler Berlin haben gestern am 5. Juli ihre ersten beiden Cargobikes vorgestellt. Der einspurige Bola und der mehrspurige Manni können jetzt unter www.freie-lastenradler-berlin.de reserviert und an zwei Standorten in Charlottenburg und Friedenau umsonst ausgeliehen werden. Beide Cargobikes sind vom holländischen Hersteller Bakfiets.nl und können mit bis zu 90 Kilogramm plus Fahrergewicht beladen werden. Bola hat eine Sitzbank für zwei KInder, Manni hat zwei Sitzbänke für insgesamt vier Kinder. Die maximale Leihdauer ist drei Tage. Ein erster Blick in den online-Buchungskalender zeigt: das Angebot kommt an – die ersten fünf Tage waren bereits am Abend des 5. Juli voll ausgebucht, selbst im August gibt es schon gebuchte Tage.

Ausgegeben werden die Räder gegen Vorlage von Personalausweis und Reservierungscode in den Filialen der Biomarkt-Kette denn’s am Kaiserdamm 112 und in der Rheinstraße 60. Jeweils Montag bis Samstag von 9.00 bis 19.00 Uhr.

Wieso bei denn’s?

Freie Lastenradler Berlin vor denn's Biomarkt am Kaiserdam 112Im Februar 2016 starteten die ehrenamtlichen Aktivisten der Freien Lastenradler Berlin eine Crowdfunding-Kampagne und fragten auch Unternehmen als Sponsoren an. 10.000 Euro für fünf Cargobikes sollten es werden, so Mitinitiator Filip Schaffitzel im Februar gegenüber der taz. Bisher kamen rund 7000 Euro zusammen. Die Hälfte davon legte das regionale denn’s Marketing auf den Tisch und bot sich außerdem als Ausgabestation an. Dafür darf das denn’s-Logo für 18 Monate die Seitenflächen der ersten beiden Cargobikes schmücken – eine auffällige Werbefläche. Marketingleiterin Jenny Rook sieht im denn’s-Logo aber mehr als Eigenwerbung. Es soll auch als Wegweiser zur Ausleihstation dienen. denn’s wirbt außerdem mit einem eigenen Flyer („Rollender Umweltschutz“) für das Angebot: „Ob zum Transport des Einkaufs oder für einen Ausflug zum See ….“

Das bereits geplante dritte Rad wollen die Freien Lastenradler jedoch bewusst nicht an einem denn’s Biomarkt stationieren. Das Projekt soll dauerhaft von einem breiten Netz von Spendern und Sponsoren getragen werden.

Wieso „Bola“ und „Manni“?

Bola Olalowo mit "seinem" freien LastenradBola Olalowo sitzt für die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus und „wirtschaftspolitischer Sprecher für Innovations- und Technologiepolitik“ der Fraktion. Sein besonderes Interesse gilt der solidarischen Ökonomie und darüber ist er auf die Crowdfunding-Kampagne der Freien Lastenradler Berlin gestoßen. Das Idee freie Lastenräder hat ihn überzeugt und so hat er gleich einen ordentlichen Betrag gespendet, der ihn zum Namensgeber eines der Räder machte. Der zweite Spender, der sich als Namensgeber verewigt hat ist Manfred Kabus.

Wieso Charlottenburg und Friedenau?

Freie Lastenradler Berlin - Standorte
Standorte der ersten Cargobikes der Freien Lastenradler Berlin

denn’s habe eine Reihe von Filialen als mögliche Ausleihstationen vorgeschlagen. Die Freien Lastenradler haben sich dann für die Standorte in Charlottenburg und Wilmersdorf entschieden berichtet Mitinitiator Colin Pöstgens. Man wollte mit den ersten beiden Rädern bewusst nicht in Szenebezirke wie Kreuzberg oder Prenzlauer Berg gehen, wo es bereits vergleichsweise viele Cargobikes gibt. Aber perspektivisch soll das Angebot auf möglichst alle Stadtteile ausgeweitet werden – es darf weiter gespendet werden! (Kontoverbindung siehe www.freie-lastenradler-berlin.de)

With a little help aus München und Bocholt

First we take Bocholt then we take Berlin! Freier Lastenradler Colin Pöstgens (rechts) bei Vorstellung von „Georg – Dein Transportrad für Bocholt“

Das Prinzip freie Lastenräder ist 2013 in Köln erdacht und in die Welt gesetzt worden. Kasimir, Dein Lastenrad ist sehr schnell weit über Köln hinaus bekannt geworden. Inzwischen gibt es bundesweit rund 20 freie Lastenrad-Angebote und am 2. Juli fand in Wuppertal bereits das zweite Forum Freie Lastenräder statt. Die größten Initiativen mit jeweils acht Rädern sind Hannah! Lastenräder für Hannover und die Freien Lastenradler in München. Berlin war dagegen lange Zeit ein weißer Fleck auf der Landkarte der schnell expandierenden Bewegung. Bei den Freien Lastenradlern Berlin sind jetzt auch die Freien Lastenradler Thomas Schmid und Raphael Draeger aus Münchener mit dabei. Sie haben die Webpage und die Buchungssoftware mitgebracht und als Händler die Cargobikes geordert. Auch Mitstreiter Colin Pöstgens bringt Erfahrungen von auswärts mit. Er hat 2015 Georg – Dein Transportrad für Bocholt initiiert und erfolgreich zum Laufen gebracht.

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4 comments

  1. Die Finanzierungshintergründe all dieser freien Lastenräder sind sehr unterschiedlich. Bezugsquelle des Materials/der LaRa’s, „Sponsoren“ und Organisation unterscheiden sich von Stadt zu Stadt sehr. Das schreit förmlich nach einem langen, kritischen Artikel von cargobike.jetzt zu den unterschiedlichen Ideologien des Lastenradsharings, oder? 😉
    Generell gilt: Das Lastenrad eignet sich immer hervorragend um Greenwashing zu betreiben.