Städteurlaub mit Kids und Cargobike Sharing in Innsbruck


Cargobike Sharing ist nicht nur praktisch im urbanen Alltag sondern auch im Urlaub. Ein Reisebericht aus Innsbruck.

Zwei Wochen tiroler Bergdorf, eine Woche Innsbruck: Das war der Plan meiner vierköpfigen Familie für den Sommerurlaub. Im Bergdorf waren wir als autofreie Familie die Exoten unter den Touristen. Mit Seilbahn und Buss waren wir trotzdem mobil – trotz ein paar ärgerlicher Lücken im ÖPNV-Angebot. Auch ein mitgebrachtes Faltrad und ein Kinderrad leisteten im Bergdorf und im Tal gute Dienste.

In den Tiroler Bergen (oben) und an der Seilbahnstation (unten). Bin ich verrückt oder sind die verrückt?

Dann eine Woche Innsbruck, Landeshauptstadt von Tirol. Schon im Vorfeld hatte ich ein Freies Lastenrad der Lastenrad Kooperation Innsbruck reserviert. In immer mehr deutschen und österreichischen Städten verleihen ehrenamtlichen Initiativen kostenlos sogenannte Freie Lastenräder – um eine Spende wird gebeten. Meist läuft die Buchung über ein Online-Tool und ist für ein bis maximal drei Tage möglich. So auch bei der Lastenrad Kooperation Innsbruck.

Vom Bahnhof Innsbruck laufen wir mit Gepäck auf dem Rücken und Provianttaschen am Faltrad zur nicht allzu weit entfernten Unterkunft. Auf halber Strecke an der berühmten Triumphpforte liegt praktischerweise der World Fair Trade Shop, die Ausgabestation „unseres“ Freien Lastenrads. Ich zücke das ausgefüllte Formular und meinen Personalausweis, erhalte Schloss und Stecklichter und das Cargobike – ein dänisches Bullitt mit Maurerwanne. Kurz darauf ist fast sämtliches Urlaubsgepäck auf dem Bullitt verstaut, der Sohn steht nicht ganz regelkonform zwischen meinen Armen am Lenker und wir fahren mit Lasten- Falt- und Kinderrad zur Unterkunft. Endlich wieder selbstbestimmt und entspannt mobil!

Die nächsten zwei Tage cruisen wir entspannt durch die Stadt. Die Kinder sind super happy in ihrer Maurerwanne (Kindersitze wären mir lieber gewesen). Abends wollen sie eine Extratour bevor es ins Bett geht. Die Stadt ist meist flach und ihre Größe für uns Berliner überschaubar. Lediglich am Stadtrand wird es bergig –  beim kurzen Schlussanstieg zum Schloss Ambras müssen die Kinder kurz absteigen und machen sich einen Spaß daraus, mich zu schieben.

Ehrenrunde im Stadion von FC Wacker Innsbruck
Hoch zum Ausichtspunkt Hungerburg – die Kids waren mit der Hungerburgbahn allerdings schneller oben.

Doch dann der große Schock: Wir müssen das Bullitt zurückgeben! Unsere drei Tage sind abgelaufen und das Rad ist für die nächsten Tage ausgebucht. Wir sind einen Tag lang ziemlich aufgeschmissen. Doch Glück im Unglück: Die Lastenrad Kooperation hat noch ein zweites Cargobike und das ist laut online Buchungskalender am nächsten Tag frei. Juhu, gebucht!

Ausgabestation des zweiten Freien Lastenrads ist das Zeughaus-Museum. Zur anstehenden Straßenrad WM läuft dort eine Sonderausstellung FRISCHLUFT? FREIHEIT! FAHRRAD!


Ich schaue mir am Vorabend unseres gebuchten Tages die kleine aber sehenswerte Sonderausstellung an und kann kurz vor Kassenschluss das Cargobike für den Folgetag mitnehmen. Es ist ein Christiania Bike mit E-Antrieb. Der nächste Tag ist gerettet! Mit E-Antrieb ist auch der Anstieg zur Skisprung-Schanze Bergisel mit Kindern an Bord kein Problem.

Doch auch das Christiania Bike müssen wir viel zu früh wieder zurückgeben. Wie kommen wir jetzt nochmal zur Boulderanlage auf der Einhausung Amras, wo die Kinder so viel Spaß beim Klettern hatten? Lasst uns das Cargobike von Stadtrad Innsbruck ausprobieren!

Per Zufall hatten wir das dreirädrige Bakfiets.nl am Bozener Platz entdeckt, wo es dauerhaft an einer Station des von nextbike betriebenen Fahrradverleihsystems steht. Registrierung und Verleih laufen direkt am Terminal der Station, per nextbike-App oder über eine Hotline. Die Kinder steigen begeistert ein und nach einem Zwischenstopp zum Reifenaufpumpen geht’s ab zur Boulderanlage.


Nach viereinhalb Stunden geben wir das Bakfiets.nl am Bozener Platz zurück. Wir zahlen 15 Euro, hätten dafür das Rad aber auch gleich 24 Stunden behalten können, um am nächsten Tag mit Gepäck zum Bahnhof zu fahren. Beim nächsten Mal besser vorher die Tarife checken!

Am Morgen der Abreise schauen wir nochmal im World Fair Trade Shop rein, um ein Mitbringsel zu kaufen. Und siehe da: es gab eine vorzeitige Rückgabe des Bullitts! Wir können es spontan nochmal ausleihen und entspannt zum Bahnhof fahren. Dort Gepäck runter vom Bullitt, Faltrad drauf, zurück zum World Trade Shop und mit dem Faltrad wieder zum Bahnhof – insgesamt keine 15 Minuten. Die Kombination Faltrad und Cargobike Sharing ist großartig für den Städteurlaub mit Kids!

Das Angebot an Cargobikes könnte jedoch gerne größer sein in Innsbruck – nicht primär, aber auch als touristisches Angebot. Im Ankündigungstext zur Ausstellung FRISCHLUFT? FREIHEIT! FAHRRAD! gibt es einen passenden historischen Rückblick dazu:

Um 1900 wird das Fahrrad auch als Gefährt zur Bewegung in der frischen Luft oder als Sportgerät verwendet. Es dient der Gesundheit und bringt die StadtbewohnerInnen aufs Land.
ArbeiterInnen können kostengünstig und unabhängig von anderen Verkehrsmitteln aus den Städten in die freie Natur radeln. Mit der Zeit unternimmt man gerne auf den immer besser ausgebauten Straßen Fahrradtouren. Diese werden bald als eigenes Angebot des Tourismus entsprechend beworben.

Gilt bei Familien auch für Cargobikes und nicht nur in Innsbruck!

Hintergrund:

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