Es gibt immer mehr Autos in NRW. Doch das Land stellt zum 31. März die Kaufprämie für private eCargobikes ein. Weniger begehrte gewerbliche eCargobikes werden weiter gefördert – und auch private Ladestationen für E-Autos.

Damit würgt das Land NRW eine der erfolgreichsten Cargobike Kaufprämien in Deutschland ab. Seit Oktober 2018 gab es beim Landesförderprogramm progres-Emissionsarme Mobilität bis zu 1.000 Euro Kaufprämie für ein privates eCargobike. Allerdings beschränkt auf (zuletzt 27) Städte mit Überschreitung der NOX-Grenzwerte.

Bis 31. März Last-Minute-Antrag stellen

Der WDR berichtete im Dezember 2019 über den großen Erfolg der Förderung privater eCargobikes.

Absurd: Weniger Cargobike-Förderung trotz Pkw-Flut

Gleichzeitig stieg 2019 der Pkw-Bestand in NRW auf über 10 Millionen an. Im Oktober und November betrug der Zuwachs bei den Zulassungszahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 10 bzw. 11 Prozent. Die Tageszeitung DIE WELT berichtete am 1. Januar 2020:

Und eine Wende ist nach Einschätzung des Autoexperten Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen nicht in Sicht. «Der Trend zum persönlichen Auto ist sehr stabil», schließt Dudenhöffer aus den Zahlen. Der eigene Wagen sei «kein Auslaufmodell». In Großstädten werde wegen des Angebots an Bussen und Bahnen zwar weniger Auto gefahren, aber auch dort steige der Trend zum eigenen Wagen.

Bei landesweit über 10 Millionen Pkws wirkt die Pressemitteilung zur Einstellung der Kaufprämie für private eCargobikes wie ein schlechter Witz:

Seit Februar letzten Jahres wurden mehr als 3.000 Lastenräder in Nordrhein-Westfalen gefördert – drei Viertel davon für Privatleute. Das Lastenrad ist damit als Transportmittel in der Mitte der Gesellschaft angekommen und eine Anreizwirkung durch eine Förderung somit nicht mehr notwendig […] Die Förderung von Lastenfahrrädern für Privatleute im Rahmen des Förderprogramms „progres.nrw – Emissionsarme Mobilität“ wird daher zum 31.03.2020 beendet.

Weiterhin bis 1.000 Euro Zuschuss gibt’s jedoch für private E-Auto-Ladestationen. Zusammen mit der bundesweiten Kaufprämie von 6.000 Euro für E-Autos ist das eine erhebliche Subventionierung von Autos. Wer privat vom Auto auf’s Fahrrad oder Cargobike umsteigt geht dagegen – jetzt auch wieder in NRW – leer aus. Das ist umwelt- und verkehrspolitisch ein Skandal!

Da fällt auch wenig ins Gewicht, dass in NRW die Landesförderung für gewerbliche eCargobikes fortgesetzt wird. Diese war trotz höherer Fördersummen (bis 2.100 Euro für Unternehmen, bis 4.200 € für Kommunen) und landesweiter Verfügbarkeit bisher erheblich weniger gefragt als die Kaufprämie für Privatleute.

Anderswo setzt die Politik dagegen ganz gezielt auf Kaufprämien auch für private Cargobikes. So zum Beispiel in Hamburg, München, Stuttgart und zahlreichen auch deutlich kleineren Städten. In Hessen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen sind Cargobike-Kaufprämien auch für private Cargobikes in den Koalitionsverträgen angekündigt. Einen Überblick über aktuelle und geplante Kaufprämien gibt es hier bei cargobike.jetzt.

Bundesförderung für alle Cargobikes!

Was jedoch für die Verkehrswende wichtig wäre: Eine bundesweit einheitliche Kaufprämie für alle privaten und gewerblichen Cargobikes mit und ohne E-Antrieb. Kombiniert mit einer Auto-Abwrackprämie, sozial gestaffelt und ergänzt um einen Ausbau von Cargobike Sharing-Angeboten. Und das Ganze finanziert über die Mineralölsteuer und solange bis der Pkw-Bestand in Deutschland spürbar sinkt.


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